Frank V.
5/5
Es war ein sehr schöner Ausflug, ein Wahnsinnbau, sehr beeindruckend. Viele Geheimnisse gibt es in diesen Gängen zu entdecken. Die Festung liegt auf dem 369 Meter hohen Burg- bzw. Schlosshügel auf der westlichen Seite der Glatzer Neiße, oberhalb des Glatzer Rings. Das Gelände ist 17 Hektar groß.
Das „castellum Cladsko“ wurde erstmals im Jahr 981 vom böhmischen Chronisten Cosmas von Prag erwähnt. Es war eine gegen Polen gerichtete Grenzburg auf dem für Verteidigungszwecke gut geeigneten felsigen Hügel, der später als Burg- bzw. Schlossberg bezeichnet wurde. Sie wurde durch den böhmischen Fürsten Slavnik, Vater des böhmischen Landesheiligen Adalbert von Prag, errichtet. Diese Burg wurde 1129 unter Herzog Soběslav I. stärker befestigt, um die wichtige Straße Prag-Pass von Nachod-Hummelpass-Wartha-Breslau zu sichern. Vermutlich um diese Zeit entstanden auf dem Burgberg der sogenannte Heidenturm und die Marienkapelle („Heidenkirchlein“), die erstmals 1194 urkundlich belegt ist. Am Abhang des Burgberges erbaute 1349 der erste Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz, dessen Vater Burggraf von Glatz war, 1349 ein Augustinerkloster-Chorherrenstift. Die ehemals gotische Burg wurde im Laufe der Zeit zu einem Schloss umgebaut, auf dem die Burggrafen von Glatz, die Glatzer Landeshauptleute und ab 1477 auch die Grafen von Glatz residierten. Erster regierender Graf von Glatz war Heinrich I., ein Sohn des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Er residierte mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf dem Glatzer Schloss.
1742 wurde das Schloss im Ersten Schlesischen Krieg von Preußen erobert. 1743 veranlasste König Friedrich II. den Umbau zu einer zeitgemäßen Festung und die Errichtung einer weiteren Festung östlich der Glatzer Neiße auf dem Schäferberg. Der Entwurf stammt vom Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave. Mit der weiteren Durchführung wurde Major Christian von Wrede beauftragt. Der königliche Statthalter Heinrich August de la Motte Fouqué wurde zum Kommandanten der Festung ernannt. Während des Siebenjährigen Krieges wurde die Festung am 26. Juni 1760 vom kaiserlichen Feldzeugmeister Gideon Ernst von Laudon zurückerobert.
Da die Festung im Siebenjährigen Krieg eine große Bedeutung erlangt hatte, wurde sie auf Befehl des Königs Friedrich II. nach Beendigung des Krieges modernisiert. Obwohl die Entwürfe bereits im Mai 1763 vorlagen, begann die grundlegende Erneuerung durch den Piemonteser Militäringenieur Franz Ignatz von Pinto erst im Jahre 1770. Damals entstanden die Bastionen sowie der stellenweise dreigeschossige Donjon, in dem sich bis zu 42 Artilleriekasematten befanden.
In den Koalitionskriegen konnten Stadt und Festung während der Belagerung durch den französischen General Vandamme vom preußischen Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Götzen verteidigt werden. Im Deutschen Krieg 1866 spielte die Glatzer Festung keine Rolle mehr. 1877 wurde sie aufgehoben und 1930 die Burgberghänge mit Beton verstärkt. Bis 1938 diente die Festung als Haftanstalt. Die im Haftvollzug gehaltenen Personen wurden nach Ingolstadt verbracht. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Glatzer Festung zu einem Wehrmachtsgefängnis umgewandelt. Dieses wurde in den letzten Kriegsmonaten auf die Nebenfestung am Glatzer Schäferberg verlegt. Die Hauptfestung wurde als Rüstungsbetrieb den AEG-Werken zur Verfügung gestellt, die darin Teile für V-1 Raketen sowie elektrische Anlagen für U-Boote und Flugzeuge herstellten.[4]
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Glatz zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Polen. Die Festung Glatz wurde wörtlich in Twierdza Kłodzko umbenannt. Sie gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen. Ein Rundweg führt durch einige Bastionen, Höfe und Kasematten. Der höchste Punkt der Festung bietet einen Blick auf den südlichen Glatzer Kessel.